Extrakosten beim Flug

Extra-Tarife für Extra-Verwirrung
Extra-Tarife für Extra-Verwirrung
Die Kreativität der Fluggesellschaften bei den EUROPA-TARIFEN treibt immer neue Blüten – und sorgt für manche unschöne Überraschung.

Sie heißen Smart, Optima, Low Fare, Go, Plus, Flex oder auch Mini. Im Europa-Verkehr übertrumpfen sich die Fluggesellschaften mit neuen Service-Klassen und Tarifen.Die Zeiten, in denen es eine Business und eine Economy mit weitgehend standardisierten Leistungen gab, sind vorbei. Die Folge: Damit Passagiere am Flughafen keine bösen Überraschungen erleben, liegt es an den Reisebüros, ihren Kunden die speziellen Klauseln der einzelnen Carrier zu verdeutlichen.

Die Wünsche der Kunden ist die am liebsten angeführte Begründung für die neuen Tarife. Aber das dürfte nur ein Aspekt für den Erfindungsreichtum der Carrier sein. Tatsächlich handelt es sich um einen Baustein in der Entwicklung des europäischen Luftverkehrs, die von den Low-Cost-Carriern vorangetrieben wird. Die Billigflieger positionierten sich zunächst mit einem Gegenmodell zu den Full-Service-Airlines als No-Frills-Carrier, also als Fluggesellschaft ohne Service-Schnickschnack (Frills), die zudem Flughäfen fern der großen Städte bedienten. Doch mit dem Vordringen Richtung der Metropolen bekamen die Full-Service-Carrier den Wettbewerb zu spüren.

EXTRALEISTUNG – EXTRA CASH
In der nächsten Phase begann das Geschäft mit den kostenpflichtigen Extraleistungen. Denn den Billigfliegern liefen die Kosten davon, vor allem Treibstoffkosten und Gebühren. Sie benötigen dringend Zusatzerlöse. Um aber optisch weiter billig dazustehen, bekamen die Extras eigene Preisschilder. Auf diese Idee stiegen die traditionellen Fluggesellschaften gern ein. Das Unbundling begann. Das heißt, sie lösten bisher in die normalen Tarife eingeschlossene Leistungen heraus und verkauften sie zusätzlich. Ihr Kalkül im Wettbewerb mit den Billigfliegern war zudem: Wir haben viele Services, die wir den Passagieren anbieten können. Low-Cost-Carrier müssen sie erst entwickeln. Abgeschlossen ist diese Entwicklung noch nicht. So sind beispielsweise SAS, Finnair und Air Berlin in ihrem Europa-Verkehr auf dieses Konzept eingeschwenkt, während Lufthansa eher noch dem traditionellen Konzept folgt. Mittlerweile läuft die Phase des Rebundling. Das heißt, dass die Airlines bestimmte Leistungen in neue Tarife einschließen. Dabei können bestimmte Leistungen weiterhin zugebucht werden. Diese Tarife werden auch Branded Fares genannt, also mit Markennamen versehene Tarife.

DREIKLANG ALS STANDARD
Es gibt bei diesen Branded Fares, so unterschiedlich die Namen auch sind, bestimmte Muster. Meistens bieten die Airlines drei Tarife.

  • Niedrigster Tarif: Er enthält im Wesentlichen nur die Beförderungsleistung.
  • Mittlerer Tarif: Der Tarif ist nicht sehr viel teurer als der niedrigste, aber mit wenigen Extras und begrenzter Flexibilität ausgestattet.
  • Höchster Tarif: Voll flexibel, mit inkludierten Extraservices an Bord und am Boden. Die Preise können an die traditionelle Business Class heranreichen.

DER TEUFEL STECKT IM DETAIL
Die Feinheiten der Tarife verwirren, erschweren den Vergleich und lassen sich kaum für alle europäischen Fluggesellschaften merken. Neben den Gepäckregeln fallen die Regeln zum Umbuchen ins Gewicht. Der mittlere Tarif lässt die Umbuchung meistens zu, allerdings zu variierenden Kosten plus Preisaufschlag. SAS verzichtet allerdings in SAS Plus (seit Juni gültig) auf den Preisaufschlag, wenn noch Plätze im gebuchten Tarifbereich vorhanden sind. Die Airline hat allerdings auch ihren niedrigsten Tarif (Go) nicht komplett abgespeckt. Getränke und Snacks sind kostenlos, ebenso das erste Gepäckstück. Bei der Sitzplatzwahl waren einige Produktmanager besonders kreativ. XL-Sitze an den Notausgängen kosten meistens extra. Aber Germanwings hat zehn Sitzreihen mit mehr Abstand. Davon sind drei dem höchsten Tarif vorbehalten und die anderen Smart-Buchern. Vueling hat in der ersten Reihe mehr Platz. Die Sitze sind dem Excellence-Tarif vorbehalten. Wer Vueling-Basic bucht, zahlt für die Sitzreservierung im hinteren Teil des Jets „ab vier Euro“. Frühes Aussteigen (Reihen drei bis elf) kostet „ab sechs Euro“.

Besonderheiten, die nur eine Airline im Angebot hat, sind auch zu entdecken. So hat Norwegian Air Shuttle bereits ihre gesamte Flotte mit Hot Spots ausgerüstet, so dass die Passagiere während des Fluges mit Laptops, Smartphones und Tablet-PCs im Internet surfen können, und zwar kostenlos. SAS plant bereits, bei diesem Service nachzuziehen. Lufthansa hat noch keine Entscheidung getroffen. Und dann sind da noch die Umbuchungsregeln: Vueling bietet den Passagieren beispielsweise mit den beiden teuersten Tarifen Optima und Excellence die Möglichkeit, ihren Flug am Reisetag kostenlos vorzuverlegen. Nützlich ist diese Option insbesondere für Geschäftsreisende, die auf Strecken mit mehreren täglichen Vueling-Frequenzen unterwegs sind. Bisher gibt es den Service mit wenigen Ausnahmen nur ab Spanien. Weitere Varianten in der Tarifgestaltung liegen in Lounge-Zugängen, Fast-Track-Freigaben für die Sicherheitskontrollen und vor allem Punkte für die unterschiedlichen Vielflieger-Programme. Die Airlines sind in ihrem Bemühen, aus der Vergleichbarkeit der reinen Beförderungsleistung herauszukommen, noch nicht am Ende. Da heißt es für Reisebüros und Reisende, sich immer wieder schlauzumachen.

INFO
TICKET FÜR DAS GEPÄCK: Die Gepäckentgelte können schnell zu einer teuren Überraschung werden. Denn teilweise sind die Kosten für aufgegebenes Gepäck beachtlich, insbesondere wenn es nicht bei der Reservierung angemeldet wurde.

IM DETAIL: Air Berlin im Just-Fly-Tarif: Erstes aufgegebenes Gepäckstück 15/70 Euro (Online/Flughafen) pro Strecke. Fly Classic ein, Fly Flex zwei Koffer frei. Germanwings in Basic ab 10 Euro, in Smart und Best je ein Gepäckstück kostenlos. Norwegian: Stark variierend je nach Route. Beispiel: Hamburg–Oslo–Málaga 20 Euro pro Strecke. Vueling: In Basic 13 bis 25 Euro (Internet) oder 35 Euro (Flughafen). In Optima und Excellence jeweils ein Koffer (23 kg) frei.

HANDGEPÄCK: Der Standard von 8 kg gilt nicht mehr. Vueling erlaubt 10 oder 14 (Excellence) kg. Hop (Air France) hat 12 kg als Limit.