Punkte sammeln am Airport

Nicht nur Fluggesellschaften unterhalten Vielflieger-Programme. Auch Flughäfen locken treue Kunden mit Vorteilen beim Aufenthalt in den Terminals.

Der Passagier zückt eine Karte, um die Flughafen-Lounge zu betreten. Doch die Karte stammt nicht von einer Airline – der Flughafen selbst tummelt sich in dem Geschäft mit Loyalitätsprogrammen. Und steht damit nicht allein: Kundenbindung rückt verstärkt in den Blick von Airport-Managern. „Wir sollten uns nicht länger nur als Infrastrukturbetreiber sehen, sondern unsere Passagiere emotionaler ansprechen“, sagt Thomas Schnalke, Geschäftsführer Flughafen Düsseldorf. Ein Weg zur Bindung von Menschen an einen Flughafen sind Loyalitätsprogramme. Die Beispiele Value Card aus Düsseldorf und CPH Advantage des Flughafens Kopenhagen zeigen die unterschiedlichen Arten dieser Programme. Düsseldorf ist in Deutschland zwar eher die Ausnahme, aber weltweit nutzen viele Airports dieses Instrument.

Auf dem Düsseldorf Airport befinden sich täglich durchschnittlich 60.000 Fluggäste, plus Abholer und Mitarbeiter der verschiedenen Firmen. Sie und die Anwohner sind die Zielgruppen der Value Card. Seit das Programm 2009 aufgelegt wurde, haben sich 21.000 Personen eingetragen. Die Teilnahme ist kostenlos und bringt den Mitgliedern pro Umsatzeuro am Flughafen einen Punkt. 90 Geschäfte und Restaurants nehmen teil. Die Punkte können in einem Webshop zum Einkaufen genutzt werden. Außerdem zahlen die Karteninhaber auf der Aussichtsterrasse nur die Hälfte und können an Wochenenden am Flughafen drei Stunden parken, müssen aber nur für eine Stunde zahlen. Andere Flughäfen vergeben verschiedene Status, etwa Gold und Silber. Naheliegend wäre auch eine Verbindung mit der Smartphone-App des Flughafens, deren Funktionen auf Vielflieger und Abholer abzielen.

Kopenhagen lernt Kunden kennen
Deutlich weiter vorangetrieben hat der Flughafen Kopenhagen sein Vielflieger-Programm namens CPH Advantage. Es ist seit November 2011 live und hat etwa 350.000 Mitglieder. Hauptzielgruppe sind Geschäftsreisende aus Skandinavien, aber auch andere Personen können sich eintragen. „Das Programm spielt eine wichtige Rolle, um Kopenhagen zu einem Luftverkehrsdrehkreuz von Weltformat zu machen“, erläutert eine Sprecherin. Der Flughafen nutze die Informationen, um den Reisenden auf ihr Verhalten abgestimmte Angebote zu offerieren. Die Teilnahme ist wie in Düsseldorf kostenlos, aber es gibt freie Status (Basic, Plus, Premium) je nach Umsatz am Airport. Je höher der Status, desto mehr Punkte gibt es bei Einkäufen. Die Teilnehmer erhalten nicht nur Rabatte in den Geschäften und Restaurants, der Flughafen ist auch sehr aktiv beim Akquirieren von Aktionen bis hin zu rabattierten Flugtickets. Handfeste Vorteile für Reisende sind zudem ein unlimitierter Wi-Fi-Zugang und das Bezahlen von Entgelten fürs Parken und den Lounge-Zugang. Im Vergleich zu den Vielflieger-Programmen großer Fluggesellschaften sind die Kundenbindungsprogramme der Flughäfen eher klein. Miles&More von Lufthansa wird von mehreren Airlines genutzt. So kommt es auf etwa 20 Mill. Mitglieder, davon sechs Millionen in Deutschland. Auch dort profitieren die Airports, indem die Nutzer die Umsätze in den Geschäften ankurbeln.

Tipp
Die StudIe Airport Service Quality des internationalen Flughafenverbands ACI hat ermittelt, dass 16 Airports kostenlose und zehn bezahlte Programme haben. Die Studie erläutert detailliert die verschiedenen Varianten und führt die stärksten Vorteile für die Flughäfen auf: Sie gewinnen Profile ihrer Kunden, erhöhen deren Zufriedenheit und Loyalität. Zudem werden die Umsätze spürbar erhöht.