Städtereisen in Deutschland – Insidertipps

Beliebte Sehenswürdigkeiten haben oft eines gemeinsam: Sie sind hoffnungslos überlaufen und ihr Eintritt ist teuer. Häufig gibt es aber gute Alternativen.

Das Manko von schönen, einzigartigen, besonderen Orten und Plätzen ist, dass sie jeder sehen und einmal selbst erlebt haben möchte. Jeder hat ein bestimmtes Bild davon im Kopf, das er sich persönlich realisieren will: Einmal mit eigenen Augen sehen! Wir zeigen Ihnen einige Insidertipps für beliebte Aktivitäten bei Städtereisen in Deutschland.

Hamburg: Statt Stadtrundfahrt Linienbus

Stadtrundfahrten haben den Nachteil, dass sie oft teuer und zu kurz sind, um tatsächlich alle nennenswerten Höhepunkte anzufahren. So auch in Hamburg, wo Stadtrundfahrtsdoppeldecker durch die Innenstadt, ein Stück die Elbe entlang, die Reeperbahn hinunter und ans Alsterufer fahren. Dies dauert rund anderthalb Stunden und kostet je nach Anbieter 13, 15 oder 17,50 Euro.

Unser Tipp: Kaufen Sie sich für 1,90 Euro ein reguläres Busticket, ergattern Sie einen Fensterplatz und fahren sie die Buslinie 111 auf voller Länge an der Elbe entlang. Sie sehen zwar nicht die ganze Stadt, aber jede Menge Sehenswürdigkeiten: Hafencity, Elbphilharmonie, die historische Speicherstadt, Landungsbrücken, Reeperbahn, Rathaus Altona und den Michel, Hamburgs berühmte Kirche. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde und wenn Sie sich für 5,80 Euro die 9-Uhr-Tageskarte kaufen, können Sie unterwegs ohne Aufpreis aus- und wieder einsteigen, wo und so oft Sie wollen. Zusätzlich können Sie gleich noch von den Landungsbrücken zum Rödingsmarkt mit der U-Bahnlinie 3 fahren, welche auf einer Hochbahnbrücke mit Panorama-Aussicht direkt am Elbufer entlang fährt.

München: Wo das Bier anders schmeckt

Kaum ein München-Besuch ohne eine Maß am Chinesischen Turm im Englischen Garten. Mit 7000 Sitzplätzen ist der Biergarten einer der größten der Stadt. Entsprechend der Andrang. Am Wochenende spielt ab mittags eine Blaskapelle, Touristen aus Orlando und Osaka trinken Brüderschaft und Bald-nicht-mehr-Junggesellen verschenken Kurze gegen Küsse.

Unser Tipp: Rad leihen und am Westufer der Isar entlang zwölf Kilometer Richtung Süden fahren. Ziel ist die Waldwirtschaft von Wiesn-Wirt Sepp Krätz in Pullach. Seit Ende des 18. Jahrhunderts trifft sich hier die Münchner Gesellschaft, um unter alten Bäumen Bier und Braten zu genießen. Dazu gibt’s von April bis September täglich Live-Jazz. 1995 machte die Waldwirtschaft als Keimzelle der sogenannten Biergartenrevolution Schlagzeilen. Anwohner wollten per Gericht die Sperrstunde auf 21.30 Uhr festsetzen. Rund 25.000 Münchner demonstrierten daraufhin– und erwirkten den bayernweiten Ausschank bis 23 Uhr.

München: Gruseln zum Glockenspiel

Auf dem Marienplatz ist im Sommer dreimal am Tag kein Durchkommen. Um 11, 12 und 17 Uhr schauen hunderte Touristen hinauf zum Turm des Neuen Rathauses, um Deutschlands größtes Glockenspiel zu bestaunen. Gut 8 Minuten lang drehen sich auf 2 Ebenen Rittersleut‘ und Fassmacher, dazu leuten 43 Glocken wechselnde Melodien. Wirkliche Begeisterung löst das Spektakel nur bei Taschendieben aus.

Unser Tipp: Wenn Glockenspiel, dann am Abend. Um 21 Uhr setzt sich die Mechanik im Rathausturm erneut in Bewegung – und ein Nachtwächter dreht die letzte Runde des Tages. Gleichzeitig füllt sich der verwaiste Marienplatz mit Gestalten in weiten Mänteln, die Laternen und Hellebarden bei sich tragen. 2 Stunden lang führen die Gästeführer vom Weis(s)en Stadtvogel Interessierte durch die dunklen Ecken der Altstadt – Grusel inklusive. Denn die Geschichten handeln von Gott und Teufel, von Mord und falscher Liebe. Info: www.stadtvogel.de, Erwachsene: 15 Euro, Kinder: 7,50 Euro.

München: Sightjogging als Stadtrundlauf

Statt selbst zu entdecken werden Stadtrundfahrten zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, den besten Museen gebucht, um möglichst schnell ebendiese anzusehen. Das spart Zeit und Energie. Doch die Erinnerung ans Gesehene verfliegt oft ebenso schnell wie der Bus an Frauenkirche und Pinakothek vorbeifährt.

Unser Tipp: Joggingschuhe in den Reisekoffer einpacken und München im Laufschritt entdecken! Aber nicht allein – unter den Stichworten “Sightjogging” oder “Sightrunning” bieten im Internet mittlerweile viele Trainer geführte Laufrunden an. Viele Sehenswürdigkeiten liegen in Fußgängerzonen und wechseln sich mit idyllischen Parkanlagen und versteckten Winkeln ab. Route und Streckenlänge können flexibel vereinbart werden, die Preise beginnen bei 50 Euro pro Person für 60 Minuten. Laufen mehrere Personen mit, wird es günstiger. Weitere Infos: www.smartrunning.de.

Berlin: Sundowner über der Stadt

Berlin hat viel – aber keine Berge. Selbst der Teufelsberg, mit 120 Metern, die höchste Erhebung der Stadt, ist nur ein Hügel. Im Vergleich zum Fernsehturm am Alexanderplatz zu beschmunzeln, der mit 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands ist! Das Restaurant in 207 Metern Höhe verspricht einen großartigen Blick. Falsch kann man hier nicht sitzen, denn der runde Speisesaal dreht sich ein- bis zweimal pro Stunde um die eigene Achse. Einen spontanen Besuch sollte wegen des starken Andrangs wohl überlegt sein.

Unser Tipp: Eine Alternative für Kurzentschlossene ist der Kohlhoff-Tower am Potsdamer Platz. Für 5,50 Euro bringt der schnellste Aufzug Europas in 20 Sekunden die Gäste zum “Panoramapunkt” in der 24. und 25. Etage. Das rundum verglaste Café und die Aussichtsplattform unter freiem Himmel bieten sich an, um bei einem Sundowner die untergehende Sonne zu beobachten, die die goldenen Zinnen des Klinkerbaus rötlich färbt, bevor sie unter geht.

Berlin: Muss es wirklich Döner sein?

“Hast Du Hunger, sollst Du was Gutes essen. Deshalb kommt unser Döner von Herzen. Mit alles frisch, viel Liebe und ein bisschen Geheimnis. Kommst Du vorbei, wirst Du gekümmert. Davor steh ich mit meinem Namen”, so “Mustafa’s Gemüse Kebab” in Berlin-Kreuzberg (www.mustafas.de). Es ist wahr: Die Döner schmecken ausgezeichnet und trotz Dauerstress “wird man freundlich gekümmert”. Davor steht man allerdings auch lange an. Denn der Imbiss, der sich nur wenige Meter neben Berlins berühmter Wurstbude “Curry 36” befindet, ist zu einem Hotspot geworden – anderthalb Stunden Wartezeit sind inzwischen normal.

Unser Tipp: Warum anstehen, wenn doch zwei Ecken weiter die Bergmannstraße liegt? In den Achtzigern noch für ihre vielen Trödelläden bekannt, wird die Straße heute vor allem von Restaurants und Cafés beheimatet. Von Sushi bis Tapas kann man sich hier durch viele Länder essen – ohne lang zu warten.